Donnerstag, 22. September 2016

Einkaufen mit Liebe statt Geld bei Edeka?

Wenn ich für einen Auftraggeber einen Newsletter betreue, dann würde ich statt Geld ja auch Liebe nehmen. Allerdings ist mein Liebeskonto schon gut gefüllt. Das Bezahlen von Miete, Krankenkasse und alkoholfreiem Weizenbier bei Edeka mit Liebe bereitet noch immer Probleme. Aber wie wäre es, wenn man wirklich mit Liebe zahlen könnte?

Ich stelle mir das so vor:

Kassiererin: "Das macht dann 19,50 Euro oder umgerechnet 19,5 Liebes-Einheiten! Welche Zahlungsmethode wählen sie?"

Ich: "Ich möchte gerne mit Liebe zahlen!"

Kassiererin: "Gerne! Begeben Sie sich bitte dort hinüber in unser Liebes-Zahlungs-Zimmer. Dort steht Frau Patschulke aus unserer Fleischerei-Abteilung bereit, wahlweise auch Herr Kubitschek von unserem Sicherheitsdienst. Das ist der kleine rundliche mit der Glatze und den Runen-Tätowierungen. Beide nehmen gerne ihre Liebes-Zuwendung entgegen. Sie können entweder ein halbe Stunde lang zarte Koseworte flüstern, eine halbe Stunde lang massieren, oder wahlweise 15 Minuten intensiven Verkehr betreiben. Dafür bekommen Sie Kondome unserer Hausmarke 'Rammelfroh Gut und Günstig". Was wollen sie machen?"

Ich: "Öhm...kann ich auch bei ihrer Praktikantin Karla Köstlich mit Liebe zahlen?"

Kassiererin: "Natürlich, aber nur ab einem Einkaufswert über 500 Euro."

Ich: "Tja, was haben Sie denn noch so zu bieten an Liebes-Zahlungsmöglichkeiten?"

Kassiererin: "Sie könnten eine Stunde lang den Hund von unserem Chef ausführen, ein ganz lieber Pitbull mit dem Namen 'Lord Voldemort".

Ich: "Ach, ich zahle doch lieber in Euro..."

Tja...

Donnerstag, 8. September 2016

Auf Workshops: Die Qual der Übungs-Partner-Wahl

Uah,
ich hasse es, wenn der Workshopleiter sagt: "Für die nächste Übung suche dir einen Partner oder Partnerin!"

Ich schaue umher. Die? Oder die? Hey, DIE vielleicht. Ja, genau, DIE! 

Aber während ich noch grüble, sind erfahrene Männer schon losgezischt und haben sich meine Wunschpartnerin gekrallt. 

Ächz! Was für ein Leistungsdruck! Aber wie könnte es besser gehen?

Einmal erlebe ich, dass die Gruppe sich im Kreis aufstellt. Ich soll in die Mitte treten, zu meiner Wunschfrau hingehen und sie mit einer Namaste-Geste einladen. Klingt gut, da kommt mir keiner zuvor!

Ich stelle mich vor sie und grüße sie einladend. Doch was passiert? Sie schüttelt den Kopf. Och nö!! Sie will mich nicht. Sie weist mich zurück. Vor versammelter Mann- und Frauschaft. Ich schleiche zurück an meinen Platz.

Ich frage mich, ob das Gefühl der Demütigung hilfreich ist für meine Persönlichkeitsenwicklung.

Ein anderes Mal ist da eine junge Frau, nach der alle Männer gieren. Unsere genetischen Programme, die Mutter Natur uns gnadenlos aufzwingt, schreien uns innerlich an: "Reproduziere dich! Sorge für die Arterhaltung deiner Spezies! Spring sofort drauf auf die Süßmaus und besorg's ihr bis zum Abwinken!"

Ha, diesmal bin ich vorbereitet! Beim Kommando "Partnersuche" gehe ich sofort zu der jungen Lady hin. Ebenso leider auch ein weiterer Mann, Typ nordischer Kleiderschrank. 

Die junge Frau flüchtet entsetzt zu einer anderen Frau, um die Übung mit ihr zu machen, ganz ohne Mann. Uff! Ich mache die Massageübung dann mit dem Kleiderschrank, dessen dichte dunkle Brustbehaarung sich fast wie Stahlwolle anfühlt.

Nächster Versuch auf den nächsten Workshop. Ich gehe entschlossen zu einer Lady hin, die mir gefällt. Kein Konkurrent in Sicht. Doch der Blick der Dame sagt: "Oh no, womit habe ich diesen Spargeltarzan verdient!" Sehnsüchtig schaut sie zu einer wohlgerundeten Frau hinüber. "Du würdest wohl lieber mit ihr...?" frage ich. Sie nickt. Ich lasse sie gehen. Ich bleibe übrig. 

Dann aber soll endlich eine stressfreie Übungs-PartnerInnenwahl folgen: Beim nächsten Tantra-Workshop werden die Massagepartner verlost. Ein junges Paar ist dabei. Ich bekomme die junge Frau zugelost. Ganz ohne Krampf und Kampf.

Juhu! Aber dann geht es los: Ihr Partner protestiert beim Workshopleiter. Der junge Mann will nicht, dass ich meine alten Gichtkrallen in die zarte rosa Haut seines Lieblings haue. 

Oder er hat Schiss, dass sie ihm abhaut, nachdem sie meine erfahrenen Berührungskünste erlebt hat. Ich will keinen Streit und lasse sie gehen, finde jemanden anderes zum Massieren.

Der nächste Workshop. Oje, Wir haben Männerüberschuss. Doppelt so viele Männer wie Frauen. Ich denke: "Ojeh, wahrscheinlich muss ich die ekstatische Yab-Yum-Vereinigungs-Übung mit Karlheinz oder Wolf-Dieter machen?!"

Aber es kommt anders. Der Workshopleiter befiehlt alle Männer an die Wand. Mit den Rücken zu den Frauen. Dann darf jede Frau zwei Kerle wählen.
Nett! Zu dritt gehen wir in eine Ecke auf die Matratzen. Sympathische Frau! Der Mann ist auch cool. 

Jeder darf sich von den anderen etwas Wünschen. Wir beiden Männer sind höchst erfreut von den Wünschen der Frau, die ihre Phantasien ungehemmt auslebt. 

Wenn wir eine Kamera hätten: Auf dem Youknutsch-Kanal "Deutsche Amateure" könnten wir hohe Klickraten erzielen. Diesmal bin ich zufrieden.

Wie sagt doch gleich der Dichter?

Tut dich des Wählens Grauen quälen?
Lass einfach mal die Frauen wählen!


Dienstag, 30. August 2016

Untenrum zu wenig Angebote für Männer?

Wow, was es für Frauen alles gibt!

Workshops zu weiblicher Ejakulation, vaginale Landkarten zeichnen, vaginale Erkundungssessions, das vaginale Malbuch, das vaginale Fotobuch - und sogar eine Ausstellung der zarten Liebesblüten mit dem Titel "Vulvarama" auf dem kürzlichen Liebeskunst-Festival.

Wo ich auch hinschaue: Das Schätzkästlein der Liebe wird liebevoll umsorgt, geheilt, gestärkt. Eine wichtige Arbeit, die ich mit Freude und Bewunderung sehe. Jedoch kommt auch ein bisschen Neid auf. Gibt es Vergleichbares auch für uns Kerle?

"Schwanzdressur" sah ich auf dem Programm.

Hm...

Klingt irgendwie nicht nach Genuß. Wieso muss der Schwanz dressiert werden? Ah, ich verstehe: Der teuflisch-lüsterne Wonnen-Wurm schlängelt sich aus seiner engen, dunklen Hosen-Höhle, richtet sich zur vollen Größe auf, um dass zarte rosa Heidenröslein mit brachialer Kraft zu bedrängen!

Dabei ist er eigentlich ein ganz Lieber, wenn man ihn näher kennt. Weich und anschmiegsam. Ein bisschen schüchtern und unter Leistungsdruck leidend, weil er die monströsen Dampfhammer-Dödel aus dem Internet sieht (während viel zu heftig an ihm herum gerieben wird).

Öffentlich ist er geächtet. Nur in schlapper Form darf er in den normalen Medien zu sehen sein. In privaten Situationen aber schätzen Frauen es sehr, wenn der Hosenteufel sich vollumfänglich entfaltet und länger als drei Minuten in dieser Form zur Verfügung steht.

Viele Frauen haben Sympathie für den Schwanz und den daran hängenden Mann. Sie bilden sich weiter. So war ich einmal Übungs-Objekt bei einem Lingam-Massage-Workshop (Lingam = Schwanz auf indisch). Ich liege da so auf dem Rücken, nackt.
Zwischen meinen Beinen kniet die Lernende (auch nackt) mit einem Anleitungsheft, das 27 Positionen umfasst. Die Workshopleiterin geht herum und prüft, ob der "Entsafter" (so heißt eine Übung) richtig ausgeführt wird. 

Die Erotik ist ungefähr so prall wie beim Lehrgang "Finanzbuchhaltung für Kleingewerbetreibende", aber die Sache macht trotzdem Freude.

Ein bisschen was tut sich also schon, aber es könnte mehr sein. Wo bleiben Angebote für Männer wie:

- "Die Palme sensibel schütteln - den Griff des Todes vermeiden"

- "Zeichne deine Sahneschleuder - liebe die Latte deines Lebens" (mit Ausstellung der Bilder)

- "Schwanz-O-Rama: Erblicke die Fülle der männlichen Schönheit" (live Angucken).

Die Frage ist bloß, ob Männer da mitmachen würden, da sie doch vor allem die Frauen und deren Beglückung im Kopf haben...


Mittwoch, 10. August 2016

Erleuchtungsgruppe "Cool am Pool"

Die zahlreichen Gruppen im Sommercamp der ZEGG-Gemeinschaft sind wie gewohnt intensiv und bieten Raum für Erkenntnis und persönliches Wachstum. 

Weil ich eine Überdosis habe, was normale Sitz-und-Rede-Gruppen angeht, habe ich jetzt meine eigene Sommercamp-Gruppe ins Leben gerufen. Sie heißt "Cool am Pool" und findet jeden Tag von 16 bis 18 Uhr am Teich statt.

Gruppenaktivitäten:

a) Erleuchtung intensiv (kalt duschen)

b) Body Empowerment (ein paar Runden schwimmen)

c) Achtsames Gehen (zur Dorfkneipe, Eis kaufen)

d) Sinnliche Genuss-Erfahrung (das Eis essen)

e) Erwachen ins Hier-und-Jetzt durch den ZEN-Stock von Mutter Erde (Ameisenbisse spüren)

Aber kommt nicht alle auf einmal...


Maßnahmen gegen Sitzeritis

Juhu, das legendäre Sommercamp der ZEGG-Gemeinschaft beginnt, praktisch die Mutter unserer Berliner Aktivitäten.

Aber es gibt dort etwas Bedenkliches, das ich mal ganz ungeschminkt ansprechen muss. Was wird dort am häufigsten gemacht?

Geturtelt?
Geredet?
Getrunken?
Gegessen?


Nein: Gesessen. Man sitzt sehr viel!

Auf Stühlen in Gruppenräumen, bei Vorträgen im Großzelt, auf Bierbänken vor der Dorfkneipe. Immer sitzen, sitzen, sitzen.

Das ist ungesund für den Kreislauf und den Eros! Da sitzt man sich glatt das Popöchen platt, welches seine natürliche attraktive Form verliert. 

Zum Glück gibt es innovative Erfindungen aus Berlin. Sie vermeiden das Sitzen, erlauben aber gleichzeitig einen intensiven Austausch. Hier sind sie:

a) Künstlerische Vorstellungsrunde: Jeder tanzt seinen Namen. Leichte Übung für jede Walldorfschülerin.

b) Jogg-Stab-Runde: Sprechstabrunde beim Joggen im Wald. Das macht fit und vergrößert das Atemvolumen. Nachteil: Der Förster will mitmachen, wenn er die interessanten Themen hört. Vorteil: Der Förster ist nicht so kopflastig wie spirituelle Männer und wird von den Frauen gerne mitgenommen, für die Mittagspause, Rollenspiel "Das Rehlein und der Jäger".

c) Schwimm-Forum im Teich: Die Gruppe bildet schwimmend einen Kreis. Ein Mensch schwimmt in die Mitte und macht dort seinen Forumsauftritt. Vorteil: Bald gehen ihm die Kräfte aus, er kann nicht ewig reden. Nachteil: Große Fische mit spitzen Zähnen halten die schwingenden, männlichen Anhängsel für Würmer. Verbandskasten bereithalten.

Diese Maßnahmen sorgen für Fitness und rote Bäckchen! 

Besonders mein eigenes Hinterteil braucht so etwas, da ich Meister in einer seltenen Ausdauerdisziplin bin, die vom Körper einen hohen Preis fordert:

Langsstreckenfrühstück.




Mittwoch, 13. Juli 2016

Die "Ehe auf Zeit" für mehr Ruhe und Klarheit

Wo waren wir stehen geblieben, was meine verrückten Vorschläge zum Thema Beziehung angeht?

Was tun, um mehr Ruhe in den steten Ringelpiez von Kerlen und Weibern zu bringen? Ich komme ja kaum noch hinterher, mir den Namen des/der aktuellen Liebespartners zu merken, so schnell wechseln die bei manchen Leuten.

Deshalb hier der geniale Vorschlag für mehr Ruhe: die "Ehe auf Zeit".

"Ehe" ist ja normalerweise abschreckend. "Bis dass der Tod euch scheidet", ächz. Stimmt eh nicht, da vor allem Frauen vorher die Scheidung einreichen (hm, warum wohl - darüber sollten wir bei Gelegenheit nachdenken). Also mich schreckte das immer ab.

Die "Ehe auf Zeit" geht so: Man heiratet nur für ein Jahr. Danach prüft das Paar, ob es in die Verlängerung gehen will. Wenn die Ehe gut war, heiratet man erneut für ein Jahr.

Es gibt die "Ehe auf Zeit" in verschieden Ausführungen:

a) Monogames Paar. Es wird nicht an anderen gefummelt. Auch kein Seitensprung. Treue.

b) Freie Liebe Paar: Das Paar trifft klare Vereinbarungen wie "Sex mit anderen Menschen ist in Ordnung, sofern es nicht direkt vor der Nase des Partners ist. Nicht öfter als dreimal pro Sexpartner, um eine tiefere Bindung zu vermeiden. Auf Nachfrage erzählt man sich davon."

c) Polyamore Dreierkonstellation: Entweder "kein Sex mit anderen" oder eine Vereinbarung wie bei Freie Liebe.

So ist alles viel einfacher und übersichtlicher. Natürlich bekommt jeder einen Ehering.
Man weiß nun, XY ist verheiratet. Finger weg, wenn monogam. Oder kurz mal naschen, wenn frei Liebend. Aber nicht abwerben! Vielleicht hat er/sie in fünf Monaten keine Lust mehr auf diese Ehe und ist für eine tiefere Bindung verfügbar.

Das Paar selbst hat eine gewisse Sicherheit, jedoch mit überschaubarem Zeithorizont. Wenn es in der Kiste nicht ordentlich schnackelt oder überraschende Minuspunkte wie Dauerschnarchen, Mundgeruch und Humorlosigkeit die Ehe vergällen, dann wissen sie: Da dauert nicht ewig. Keine nervige Scheidung, sondern ein klares Ende, das im Kalender angekreuzt werden kann.

Das Hochzeitsritual gestaltet jede Gemeinschaft selbst. Damit wir ein bisschen was zu gucken haben, könnte zum Beispiel die Hochzeitsnacht öffentlich sein, vielleicht auf der FreiRaumpARTy oder auf dem Liebeskunstfestival, mit Livemusik, während Blüten auf die Körper gestreut werden und Champagner gereicht wird...

Die Schamanin sagt dann feierlich: "Bis dass der zeitliche Ablauf dieser auf Jahresfrist begrenzten bindenden Ehevereinbarung euch scheidet!"


Samstag, 9. Juli 2016

Trennung nur mit Erlaubnis, Ritual und Party

Trennung. 

Ein unschöner Vorgang zwischen Mann und Frau. Jetzt hörte ich, das jemand ein kreatives Ritual erfand, um damit umzugehen. Er schrieb den Namen auf einen Luftballon und lies ihn in den Himmel schweben.

Welche Rituale, welches Know-how gibt es eigentlich in der Szene im Freie Liebe, Polyamorie und Gemeinschaft, um mit Trennungen umzugehen?
 
Nichts. Null. Nada.

Wir stecken alle noch in den Kinderschuhen von Freier Liebe und Polyamorie. Kennenlernen und Ringelpiez mit Anfassen ist superleicht.

Aber was kommt dann, wenn einem die Nase des Kennengelernten nicht mehr so gut gefällt? Dann geht es so normal zu wie bei beliebigen SpießbürgerInnen. Tschüss und weg.
Das muss sich ändern. 

Meine Idee: Wir gründen einen Netzwerk-Sozialausschuss (NeeSozi). Besetzt mit Männern, Frauen und Kindern. Ja, mit Kindern, denn die leiden doch am meisten, wenn die Großen vom Stoßen zum Verstoßen übergehen.

Wenn ein Paar sich trennen möchte, muss die Trennung beim Netzwerk-Sozialausschuss (NeeSozi) beantragt werden. Richtig, das Paar muss um Erlaubnis fragen, denn immerhin wirkt sich die Trennung auf das Wohlsein der Gemeinschaft aus. Schluss mit dem Egoismus!
 

Der Netzwerk-Sozialausschuss (NeeSozi) berät dann über den Fall. Kinder bekommen doppeltes Stimmrecht plus ein Vetorecht. Die Entscheidung des Ausschusses ist bindend.

Falls der Ausschuss mit der Trennung einverstanden ist, wird ein großes Trennungs-Fest veranstaltet. Leckeres Essen, eine Band spielt. Wie eine Hochzeit, nur andersrum.
 

Die Trennungswilligen halten jeder einen Vortrag über die guten Seiten der anderen Person. Die Gemeinschafts-Schamanin löst dann die Hände der beiden und erklärt sie zu Nichtmann und Nichtfrau. 

Die Schamanin reicht entspannende Rauchwaren, so dass die Gemeinde in spirituelle Dimensionen entschwebt. Alle ziehen sich aus. Von Mitternacht bis zum Morgen findet ein Wonnen-Gelage statt, das selbst die alten Römer erblassen ließe. 

Am morgen kriechen alle auf dem Zahnfleisch aus dem Festsaal und sagen: "Wow, das war die beste Trennung, die ich je erlebt habe!"

Viele lernen in dieser Nacht jemanden kennen, kommen zusammen - und schon bald winkt ein neues, schönes Trennungs-Fest...